Die Tabakfabrik Linz: Eine Reise durch 90 Jahre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Die Tabakfabrik Linz ist mehr als ein Industriedenkmal – sie ist ein lebendiger Organismus, der sich ständig neu erfindet. Diese Ausstellung macht den fundamentalen Wandel greifbar. Sie führt Besucher:innen über 18 Stationen von den Anfängen der Wollzeugfabrik über die Jahrzehnte der industriellen Tabakverarbeitung bis hin zum Zentrum für Kreativwirtschaft und Digitalisierung.
Das Behrensband: Der türkise Faden der Geschichte
Das Leitsystem der Erzählung bildet ein über 750 m langes, bedrucktes Textilband. Als Träger der Botschaft zieht es sich von Beginn bis zum Ende durch die Gänge. In seiner Gestaltung assoziiert es bewusst Zigarettenpapier und die Ästhetik der Fließbandarbeit – Symbole für den stetigen Fortschritt und die industrielle Präzision. Es markiert besondere Ereignisse, verbindet interaktive Stationen und ermöglicht durch bedruckte Jahreszahlen eine klare historische Einordnung.
Kontraste und Provokationen
Gleich zu Beginn wird man von einem überdimensionalen Schild im Stil klassischer Zigarettenwarnungen begrüßt. Unter dem Titel »Ohne Vorwarnung« ist dies jedoch keine Warnung vor Gesundheitsrisiken, sondern eine provokante Einladung: Ignorieren Sie die üblichen Konventionen und erkennen Sie die Tragweite der Tabakfabrik als hyper-dynamisches Netzwerk, in dem täglich neue Gemeinschaften zwischen Start-ups und CEOs entstehen.
Eine Reise für alle Sinne: Duftstation
Dass die Fabrik nicht nur ein optisches Erlebnis ist, zeigt die Station »Duftwolke«. Hier wird die »Fabrik der Sinne« olfaktorisch erkundet. Es geht nicht nur um den Geruch von Tabak. Besucher:innen sind eingeladen, per Knopfdruck am Spind zu entdecken: Wie riecht eigentlich Kreativität? Welchen Duft verströmt Innovation? Es ist eine Einladung, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen.
Die »Prompte Poldi«
Ein Herzstück der Ausstellung ist ein Wurlitzer Zigarettenautomat mit eingebauter KI- Persönlichkeit. Poldi, die einzige Betriebsrätin zwischen 1966 und 1975, kannte die Fabrik-Anekdoten wie keine andere: vom Schleichhandel mit »Personal-Tschick« bis zum harten Kampf der Frauen um Lohngerechtigkeit. Dank moderner KI-Technologie, die mit historischen Daten und Interviews von Autoren wie Walter Kohl trainiert wurde, spricht Poldi heute wieder zu uns. Besucher:innen können eine Jahreszahl wählen und im Geiste Poldis die merkwürdigsten Geschichten auf Knopfdruck hören.
Window of the Past
Ein besonderes Highlight ist das konservierte Glasfenster von Robin Christian Andersen (vor 1935). Es zeigt den Dialog zwischen dem Architekten Behrens, dem Generaldirektor Dorrek und den Arbeiterinnen. Heute dient es als »Orakel«, als Membran zwischen Vergangenheit und Gegenwart, und lädt dazu ein, über die Zukunft der Tabakfabrik nachzudenken.
Fließband
Die Ausstellung verharrt nicht in der Nostalgie. Unter dem Titel »Fliessband« werden die aktuellen Nutzer:innen – die Zeitzeug:innen der Moderne – porträtiert. Über 250 Organisationen aus Kunst, Bildung, Sozialem und Wirtschaft bilden heute die »Belegschaft«. Die Station zeigt ein Förderband mit Paketen im Stil alter Tabakboxen, auf denen die Namen der heutigen Mieter:innen prangen – ein Symbol für die Vielfalt und Stärke des Standorts.
Countdown
Wie schnell vergeht Zeit? Ein Lichtvorhang aus 90 LEDs projiziert hinter Glas den Countdown der nächsten 90 Jahre. Diese Station visualisiert 90 Jahre Entwicklung in nur 360 Sekunden – der Zeit, die man benötigt, um das Gebäude zu durchqueren.
Audio Aura
Parallel dazu bietet die »Audio Aura« einen Rückzugsort: Hier können Besucher:innen die Balance zwischen »Work« und »Life« selbst regulieren und in die Soundwelten der Fabrik eintauchen. Ein mithilfe von KI generierter Soundteppich sorgt für ein spannendes Hörerlebnis.
Austria Tabak
Die »Austria Tabak Selfie Station« dazu ein, selbst Teil der Geschichte zu werden. Vor dem Original-Schriftzug kann der perfekte »Tabakfabrik-Moment« festgehalten und geteilt werden.
Leuchtturm
Eine alte Wiener Würfeluhr wurde zum lichtdurchfluteten Träger der Botschaften umfunktioniert. Statt Zifferblätter sind runde Glasscheiben mit Textbotschaften angebracht. Hinterleuchtet von einer drehbaren LED Lampe. Hier ist es immer Fünf vor Zwölf. Alles im Fluss und alles immer in neuem Licht.
Die Ausstellung inszeniert die Tabakfabrik Linz als lebendiges Monument des Wandels:
Von der industriellen Produktion zum kreativen Ökosystem. Durch den Einsatz von KI, olfaktorischen Experimenten und architektonischen Highlights verschmelzen 90 Jahre Geschichte mit den Visionen von morgen.
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